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KV will Sachleistungsprinzip kippen


In Schleswig-Holstein will die KV das Sachleistungssystem kippen, aber die Verbände setzen auf Selektivverträge


Die KV Schleswig-Holstein will sich vom Sachleistungssystem verabschieden. Die Basis ist weniger entschlossen, wie eine Kreisstellenversammlung in Rendsburg zeigte.
KV, Genossenschaft, Hausärzteverband und GFB hatten kürzlich ihre Spitzenvertreter zur Kreisstellenversammlung nach Rendsburg entsandt. Es brodelt an der Basis im Norden besonders stark und die KV hatte gerade den Ausstieg aus dem Sachleistungssystem zur Diskussion gestellt.


Doch der große Saal blieb weitgehend unbesetzt. Auch die Diskussionsbeiträge aus den Reihen der Zuhörer zeigten nicht, dass Ärzte sich für das Thema erwärmen können. Dabei hatte KV-Vorstandsmitglied Dr. Ralph Ennenbach klar Stellung bezogen. "Ohne Selbstbeteiligung geht künftig nichts mehr", kündigte er an. In Frankreich zahlten Patienten bei jedem Praxisbesuch 25 Euro und dort ist die Versorgungssituation sicher nicht schlecht. Zehn Euro Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch nannte er denkbar: "Wir müssen über die Systemfrage diskutieren, nicht über Punktwerte."


Über das System, nicht über Punktwerte debattieren!


Ennenbach kündigte an: "Die KV plant zweigleisig: entweder ein Primärarztsystem mit der Bedingung, dass die Mengensteuerung über den Hausarzt läuft. Oder freie Facharztwahl, dann aber nur mit mehr Selbstbeteiligung." Die Unterfinanzierung sei bei jeder Form von Sachleistung systemimmanent. Mit den in Schleswig-Holstein nachgebesserten Regelleistungsvolumina sei nur zu erreichen, dass alle Praxen das erste Halbjahr 2009 überstehen. Sonst werde das Land ein Drittel der Orthopäden und ein Viertel der Augenärzte verlieren.


Außer Ennenbach stellte jedoch nur noch der Chef der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein, Dr. Klaus Bittmann, die Systemfrage. Bittmann überrascht und erfreut: "So habe ich die KV-Seite noch nie erlebt." Weniger dynamisch äußerten sich in der Versammlung die Vertreter von Hausärzteverband Schleswig-Holstein, Dr. Nicolay Breyer, und Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände, Dr. Axel Schroeder.


Beide setzten vorrangig auf Selektivverträge und stimmen ihre Pläne eng mit der Ärztegenossenschaft ab. Mit Bedenken reagierten dagegen die Vertragsärzte: Soll man mit Politikern reden? Was erreicht man mit Praxisschließungen? Die Ärztegenossenschaft kündigte an, ihren Mitgliedern Kontaktdaten von Bundestagskandidaten zu nennen und Argumentationshilfen auszuarbeiten.

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